RKI in Nazizeit

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Alexander Neumann
Das RKI und die Militärärztliche Akademie – Eine Skizze
Dem Verhältnis von zivilen und militärischen Dienststellen im NS wurde in der letzten Zeit in der Historiographie besonderes Augenmerk geschenkt, die wechselseitigen Beziehungen untersucht und gefragt, unter welchen Bedingungen und mit welcher Aufgabenteilung diese Kooperation funktioniert bzw. zu welchem Nutzen. Ich möchte an dieser Stelle versuchen, Einblicke in das Verhältnis zwischen Militärmedizin und ziviler Medizin am Beispiel der Militärärztlichen Akademie und des RKI zu geben. Da ich mich auf wesentliche Grundzüge beschränke und vor allem auch die Person von Eugen Gildemeister in den Blickpunkt rücken möchte, erhebt diese Darstellung bei weitem nicht den Anspruch der Vollständigkeit und ist deshalb auch als vorläufige Skizze angelegt, die durch weitere Forschungen präzisiert und ausdifferenziert werden muss.

Sabine Schleiermacher
Heinz Zeiss’ Verbindung zum Robert Koch-Institut
Zum 1. November 1933 wurde der Hygieniker Heinz Zeiss „zum planmäßigen außerordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Berlin“ sowie zum stellvertretenen Direktor des Hygienischen Instituts ernannt. Im März 1937 erhielt Zeiss das Ordinariat für Hygiene und übernahm bis 1945 die Leitung des Hygienischen Instituts. Zeiss, der sich seit 1915 bis 1932 mit kleinen Unterbrechungen fast ausschließlich in Kleinasien und der Sowjetunion aufgehalten hatte, konnte sich durch eine langjährige Forschungstätigkeit ausweisen, die von der Seuchenbeikämpfung bis hin zur Geomedizin reichte.
In einer Chronik des Hygienischen Instituts der Humboldt Universität schrieb 1960 der damalige Leiter Kurt Winter über Heinz Zeiss: „Mit ihm wurde die völker­ver­bin­dende Tradition des Instituts jäh durchbrochen. Zeiss war aktiver Faschist und in der dunkelsten Zeit Deutschlands wurde durch ihn in der Fakultät die Niedertracht repräsentiert und durchgesetzt.“ Und in dem Findbuch des Archivs der HU ist zu lesen, dass Zeiß „als aktiver Funktionär der Nazipartei die Lehr- und Forschungs­tätigkeit fast ausschließlich in den Dienst der faschistischen Gesundheits- und Kriegspolitik stellte.” Zeiss lieferte, so Paul Weindling in seinem Buch „Epidemcs and Genocide in Eastern Europe, 1890-1945“, die theoretische Grundlage einer präventiv ausgerichteten Medizin und Hygiene, in der Umsiedlung, Deportation und Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen in Osteuropa eine wissen­schaft­liche Legitimation erhielten.
Das Urteil über Zeiss scheint eindeutig. Aber dennoch bleibt zu klären, was für eine Wissenschaft Zeiss vertreten hat, deren theoretische Grundlage er sich in der Weimarer Republik erarbeitete und die sich in die nationalsozialistische Politik einbinden lies. Zu fragen ist:
Wie sah das wissenschaftliche Profil von Zeiss aus, das dazu führte, dass er zum Professor für Hygiene und Direktor des Hygienischen Instituts an die Medizinische Fakultät der Friedrich Wilhelms Universität berufen wurde?
Unterhielt Zeiss wissenschaftliche Kooperationen mit dem RKI oder handelte es sich um zwei wissenschaftliche Einrichtungen, die neben einander existierten?

Paul Weindling
Typhus (Fleckfieber) Research and the Robert Koch Institute in the Second War: Comparing Eugen Gildemeister and Gerhard Rose.
The Robert Koch Institute (RKI) has until now rather a shadowy role the German WW2 policies towards prevention and control of infectious dieases. This paper takes a biographical approach, comparing the respective contributions of Eugen Gildemeister and Gerhard Rose. Their careers intersected, and there were ideological affinities, although they were involved in typhus control in very different ways. The typhus problem attracted competing research groups and production methods at a time of evident shortage. Considerable ambition and opportunity motivated vaccine researchers in competitive rivalry. The RKI found itself in competition with the Behringwerke and its new institute for vaccine production at
Lemberg. Gildemeister supported the development of Rudolf Weigl’s lousegut vaccine by Eyer for the Wehrmacht. But his main interest was the Cox yolk embryo method of vaccine production. The RKI entered into a contract to provide vaccines for the Luftwaffe. Rose has a more ambivalent role, involved in obtaining various types of vaccine from around Europe, and with DDT disinfestation. Sources are rather different as Gildemesiter apparently committed suicide on 8 May 1945 whereas Rose was convicted at Nuremberg. Finally, the paper asks how these biographies can be supplemented with further institutional and biographical records, as well as recommending scrutiny of the Ding-Schuler Buchenwald Diary.

Thomas Werther
Fleckfieberforschung, RKI und IG Farben
Mit Kriegsausbruch wurde – und fühlte sich – die wissenschaftliche Elite der Tropenmedizin und der medizinischen Hygiene Deutschlands (Robert Koch-Institut Berlin, Institut für Experimentelle Therapie Frankfurt [heute: Paul-Ehrlich-Institut] und Tropeninstitut Hamburg [heute: Bernhardt-Nocht-Institut] damit beauftragt, brauchbare Impfstoffe gegen das Fleckfieber zu entwickeln. Gleichzeitig wurden Wissenschaftler aus den einschlägigen Elite-Instituten abgezogen, um für die Wehrmacht (OKH-Institut für Fleckfieberforschung Krakau) und die neuen staatlichen Gesundheitsinstitutionen (Staatliches Hygiene-Institut Warschau) im besetzten Polen einen für die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnit­tenen Impfstoff gegen das Fleckfieber zu entwickeln. Parallel dazu arbeiteten die IG Farben am Aufbau einer Impfstoffproduktion auf Massenbasis. Aufgrund ihres nationalen und internationalen Einflusses hatten sie sich Vorteile im wissen­schaft­lichen Wettbewerb verschafft. Mehrere neue Impfstoffe waren entwickelt worden, die allerdings alle die selben Probleme aufwarfen: man war sich weder über die Höhe der Dosierung noch über die Verträglichkeit und noch weniger über die Wirksamkeit der Produkte im Klaren. Immer wieder wurde die fehlende Erprobung am Menschen beklagt.
Der weitere Kriegsverlauf (Angriff auf die Sowjetunion) beschleunigte den Prozeß. Es gab Befürchtungen, dass sich deutsche Soldaten und Besatzungspersonal im „Ostraum“ mit dieser „gemeingefährlichen“ Krankheit anstecken und durch die Umsiedlungspolitik die Fleckfiebererreger in die Heimat verschleppt werden könnten; man plante die Schaffung eines „Seuchenschutzwalls“. Eine Wort­schöp­fung, die das Gegenteil von dem erreichte, was geplant war: in den jüdischen Ghettos, die aus dem Grund der Ansteckungsgefahr eingerichtet und hermetisch abgeriegelt worden waren, in Kriegsgefangenenlagern, Konzen­tra­tions­lagern, Zwangsarbeitslagern der neu eroberten Gebiete, aber auch in der Heimat grassierte das Fleckfieber. Die Krankheit wurde mit der Vernichtung der Infizierten – und die man dafür hielt – bekämpft. Die Fleckfieberforschung wurde intensiviert, die Forscher gerieten unter Druck: deutsche Soldaten, „Volks­deutsche“, Umsiedler, Mitarbeiter der Besatzungsbehörden, SS-Wachmänner und das Sanitätspersonal in den Lazaretten galt es, mit wirksamen Impfstoffen vor dieser Seuche zu bewahren. Dabei war es relativ unerheblich, inwieweit die beteiligten Mediziner überzeugte Nazis waren, rassistischen Präformationen unterlagen oder nicht. Auch die innerhalb der wissenschaftlichen community vorhandenen persönlichen und inhaltlichen Konkurrenzen wurden den Zielen untergeordnet. Allen gemein war die Grundhaltung, deutsche Menschen oder „deutsches Blut“ zu schützen. In keiner der unzähligen Quellen (Protokolle, Aufsätze, Berichte) ist die Rede davon, kranken Menschen, die nicht der „arischen Rasse“ angehörten, zu heilen oder für sie Präventionen zu betreiben.
Politik, Militär, Wissenschaft und IG Farben schalteten nun den SS-Apparat ein, um die Voraussetzungen in den Konzentrationslagern für vergleichende Men­schen­ver­suche zu schaffen. Dies geschah nach mehreren Vorgesprächen der verschiedenen Beteiligten am 29. Dezember 1941 auf einer gemeinsamen Besprechung von Vertretern der Heeressanitätsinspektion, des Robert Koch-Instituts, der Regierung des besetzten Polen und der IG Farben unter Moderation des Reichsinnen­ministeriums in Berlin. Bereits einige Tage später begannen die tödlichen Experimente im Konzentrationslager Buchenwald. Die Auswertung dieser ersten Großversuchsreihe fand kurz nach ihrem Ende am 4. Mai 1942 in den Marburgern IG-Behringwerken statt. Der Vertreter des Robert Koch-Instituts setzte hier die Präferenz seiner eigenen Fleckfieber-Impfstoffe aus Eidottern neben den offiziell „bewährten“ aber in der Praxis doch sehr um­ständ­lich und in geringer Ausbeute herzustellenden Läuseimpfstoffen durch. Diese neuen Impfstoffe wurden dann von den Behringwerken auf Massenbasis in Marburg und im neuen Impfstoffwerk in Lemberg hergestellt. Weitere neue Impfstoffe der IG-Behringwerke und der von Mitarbeitern des Robert Koch-Instituts durch wissenschaftliche Beziehungen aus Kopenhagen oder Bukarest beschafften Impfstoffe fanden den gleichen Weg zu den menschenverachtenden, verbrecherischen Versuchen nach Buchenwald.
Gegen alle Beteiligten wurde durch die Bundesrepublik 1960 ein Strafverfahren eingeleitet. Es wurde nach einem Jahr Ermittlungstätigkeit eingestellt, weil sich angeblich nach so langer Zeit kein „eindeutiges Bild“ mehr gewinnen ließe.
Stand: 29.01.2007